Die versunkene Raubritterburg Gerolseck

2021 08 04 Raubritterburg Gerolseck

Auf der steilen Anhöhe jenseits des Gerolsbaches im sogenannten Aichmühler Wald stand einst eine Burg, die den Namen Gerolseck hatte. In ihr hauste mit seinen Spießgesellen der gefürchtete Raubritter Gerold. Ständig lauerte er von seiner Burg herab den Handelsleuten auf, den Tuchhändlern und Salzhändlern, die drunten im Tale mit schwerbeladenen Wagen vorbeizogen. Diese Straße verband nämlich die beiden reichen Kaufherrnstädte: Die Tuchmacherstadt Augsburg und die Salzhandelsstadt Regensburg. Wer glücklich am Gerolseck vorbeikommen war, war noch lange nicht außer Gefahr. Ja, sogar außerhalb der baierischen Landesgrenzen war der Gerolsecker Raubritter gefürchtet. „Doch der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht“, sagt ein Sprichwort.  Der Gerolsecker Räuber kam von einem Raubzug nach Österreich nicht mehr lebend zurück. Man hat ihn dort unten erschlagen. Seine Burg wurde geschleift. Aus ihren Trümmern hat man im Jahre 1740 die Gerolsbacher Pfarrkirche erweitert. Die letzten Mauerreste der Räuberburg holte man ein Jahrhundert später nochmals zum Kirchenbau, denn im Jahre 1846 war das ganze Dorf Gerolsbach abgebrannt. An der Stätte des Frevels steht heute kein Stein mehr auf dem anderen, nur ein eingefallener Burggraben und die Namen “Schloßberg“ und „Schloßgarten“ erinnern an die schreckliche, geschichtliche Vergangenheit.

Man erzählt auch, dass die Raubritter in ihrer Burg Gerolseck ein sittenloses und gottloses Leben geführt haben und ihnen nichts mehr heilig war. In der Heiligen Nacht trieben sie es wieder einmal besonders arg. Während der heiligen Mitternachtsmesse machten sie im Rittersaal einen Tanzabend, entledigten sich ihrer Kleider und tanzten nackt umher. Dies war die Stunde des Unterganges der Burg. Samt ihren geraubten Schätzen versank die Burg im Boden. Dort, wo einst gottloses Geschrei, Flüche und Hohnlachen sich mit den Schmerzensschreien der Gefangenen mischten, rauscht heute der Wald.

Quelle: Wolfgang Ring, Schulleiter i.R., nach mündlicher Überlieferung